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Beitragvon Papstfan » 04.07.2006 12:04

Fundresearch-Interview mit Winfried Walter vom Albrech&Cie Optiselect:

"FundResearch: Herr Walter, Ihr Anlagemotto lautet "Investieren statt Spekulieren". Dennoch haben Sie Nebenwerte, Asien und Osteuropa im Depot – also Werte, die seit Mitte Mai stark verloren haben. Wie paßt das zusammen?

Walter: Ob Nebenwerte oder Emerging Markets spielt für unseren Ansatz keine Rolle. Denn wir suchen Unternehmen, die von der Substanz und dem Ertrag her gut aufgestellt sind. Diese Werte wollen wir dann ausreifen lassen.

FundResearch: Einige Ihrer Titel sind seit Mitte Mai aber stark gefallen.

Walter: An ihrer Substanz hat sich jedoch nichts geändert. Schauen Sie sich Samsung an, eine Aktie, die wir schon lange im Depot haben. Samsung hat weiter eine große Kriegskasse und die Produkte werden gut angenommen. Zudem hat das Unternehmen neue Technologien in der Pipeline.

"Einen Teil unserer Aktien-Positionen haben wir in Discount-Zertifikate getauscht"

FundResearch: Was hat den Kurssturz dann ausgelöst?

Walter: Die Erwartungen an die Ertragszuwächse sind gesunken, weil die Märkte einen Abschwung der US-Konjunktur befürchten. Dies rechtfertigt den Kursrückgang. Wenn Sturm kommt, muß die Ladung aber festgezurrt sein. Daher haben wir unser Portfolio neu justiert.

FundResearch: Was bedeutet das konkret?

Walter: Uns war klar, daß am Aktienmarkt eine Gegenbewegung kommt. Deshalb haben wir schon im Frühjahr Liquidität aufgebaut und einen Teil unserer Aktien-Positionen in Discount-Zertifikate getauscht, weil dies die Volatilität senkt und Kursrückschläge dämpft. Andernfalls wären wir von der Korrektur ganz schön erwischt worden.

"Bis ins Frühjahr gab es lauter gute Nachrichten"

FundResearch: Wieso haben Sie den Kursrückgang erwartet?

Walter: Lassen Sie mich kurz auf Deutschland und den Dax zurückblicken. Von 2000 bis 2003 hat der Markt Übertreibungen abgebaut. Denn viele Unternehmen hatte durch Übernahmen und Fusionen schlechte Strukturen. Daher mußten sie hohe Abschreibungen auf den Unternehmenswert vornehmen. Anschließend haben die Firmen aber stark restrukturiert. Dies hat den Dax bis auf 4800 Punkte getragen.

FundResearch: Was folgte dann? Walter: Im Herbst 2005 hat der Markt eine erweiterte Sicht eingenommen. Der Tenor hieß: Die Weltwirtschaft läuft rund und deutsche Unternehmen verdienen gut im Ausland. Die Kursziele wurden also angehoben. Im Frühjahr 2006 haben die Bilanzen für 2005 diese gute Sicht bestätigt. Und das hat Aktien erneut beflügelt.

"Wir haben in den USA inflationäre Tendenzen"

FundResearch: Im Mai hat es dann aber einen Stimmungsbruch gegeben.

Walter: Genau. Plötzlich ist das Thema Inflation und höhere US-Leitzinsen auf die Agenda gerückt.

FundResearch: Was sind die tieferen Ursachen hierfür?

Walter: Die Märkte haben sich 20 Jahre lang an US-Notenbankchef Alan Greenspan und dessen unklare Aussagen gewöhnt. Zudem hat er die Märkte über niedrige Zinsen mit Liquidität geflutet. Sein Nachfolger Ben Bernanke äußert sich dagegen viel konkreter. Ende April hat er klar gesagt, daß er bei steigender Inflationsgefahr die Zinsen erhöht. Und diese Gefahr ist real, denn wir haben in den USA inflationäre Tendenzen. Nicht bei Aktien, aber bei Immobilien.

"Beim Dax sehen wir den Boden bei 4800 bis 5000 Punkten"

FundResearch: Wenn dies eintritt ...

Walter: ... bekommen wir eine schwächere US-Konjunktur, weil die Konsumenten weniger Geld in der Tasche haben. Die USA kaufen dann nicht mehr so viele Konsumgüter in China und China importiert weniger deutsche Maschinen. Dazu kommen das US-Außenhandelsdefizit und die Gefahr eines schwachen Dollar. Von diesen Problemen der US-Wirtschaft und ihren Konsequenzen war lange die Rede, jetzt werden sie den Anlegern bewußt. Die Frage ist nur, ob die Luftblase kontrolliert oder schnell entweicht.

FundResearch: Was bedeutet das für den Aktienmarkt?

Walter: In den vergangenen drei Jahren haben viele Märkte um 100 Prozent zugelegt. Diese Dynamik wird nachlassen, denn die Euphorie ist erstmal raus. Beim Dax sehen wir den Boden bei 4800 bis 5000 Punkten. Anschließend erwarten wir einen flacheren Anstieg als zuletzt.

"Asien wollen wir reduzieren, Intel und Pfizer stehen auf unserer Watchlist"

FundResearch: Wie wollen Sie Ihren Fonds in dieser Situation steuern?

Walter: Mid Caps und Asien werden reduziert. Der Asien-Anteil ist schon von 37 auf 33 Prozent gesunken. Wir peilen hier eine Quote von unter 30 Prozent an.

FundResearch: Wo soll das freie Kapital hinfließen?

Walter: Eine Deutsche Postbank würden wir nach unseren Modellen sofort kaufen. Aber wir warten noch, bis wir die Aktie billiger bekommen. Das Unternehmen ist zwar nicht sexy, aber stark im Massengeschäft. Daneben stehen Intel und Pfizer auf unserer Watchlist. Denn Intel verdient zuerst an neuen Technologien und Pfizer wird der richtige Spieler auf dem Pharma-Markt sein, wenn es um Biotech-Zukäufe und individuell zugeschnittene Medikamente geht.

Fonds im Überblick:Fonds: Albrech & Cie. Optiselect
Anlageschwerpunkt: Aktien global
...
ISIN: LU 010 790 131 5
WKN: 933 882
Auflegungsdatum: 18.4.2000
Fondsvolumen: 212,4 Mio. Euro

Wertentwicklung seit (in %)*1.1.2006: -2,5
1.1.2005: 24,2
3 Jahren: 64,2
5 Jahren: 48,4
Geografische Allokation (in %)1. Asien: 35,12. Westeuropa: 34,33. USA: 9,94. Zentralosteuropa: 4,85. Liquidität: 15,9
Asset Allokation (in %)
1. Aktien: 61,62. Discountzertifikate: 19,83. Stillhalterverpflichtungen: 2,74. Liquidität: 15,9 Top Ten (in %)1. Petrochina: 5,552. Leoni: 5,513. Hyundai Motors: 5,28 4. Samsung: 5,225. BASF: 5,176. Krones: 5,077. China Mobile: 4,988. Indus: 4,679. Gedeon Richter: 4,6710. Mayr-Melnhof: 4,34
Quelle: Albrech & Cie. *FINANZEN FundAnalyzer, Stand: 23.06.2006, 3- und 5- Jahresdaten per 31.05.2006.
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Re: Albrech&Cie Optiselect

Beitragvon The Ghost of Elvis » 05.07.2006 09:09

Papstfan hat geschrieben:"Einen Teil unserer Aktien-Positionen haben wir in Discount-Zertifikate getauscht"

Asset Allokation (in %)
1. Aktien: 61,62. Discountzertifikate: 19,83."





Warum wohl discount- und nicht bonuszertif. :?:
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Re: Albrech&Cie Optiselect

Beitragvon Papstfan » 07.07.2006 10:09

The Ghost of Elvis hat geschrieben:
Papstfan hat geschrieben:"Einen Teil unserer Aktien-Positionen haben wir in Discount-Zertifikate getauscht"

Asset Allokation (in %)
1. Aktien: 61,62. Discountzertifikate: 19,83."




Warum wohl discount- und nicht bonuszertif. :?:




Vermutung: es gibt kaum Bonusz. mit kurzer REst-Laufzeit, die Auswahl bei Discountz. ist wesentlich groeßer.
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Beitragvon maximale » 07.07.2006 22:03

Die erhöhte Volatilität ermöglicht wiederum eine bessere Ausgangsbasis für Disountzertis, für Bonuszertis ist sie egal - da zählt nur die Dividende um attraktive Konditionen zu ermöglichen.

Walter ist zudem der Ansicht, dass ein Discountzerti ihm ermöglicht eine Aktie eben mit einem Abschlag auf den aktuellen Börsenkurs zu erwerben.
Geht das Discountzerti auf, dann gibt es eine im vorhinein kalkulierte Rendite u. geht es nicht auf, dann wird die Aktie eingebucht. Nur hat er sie über das Discountzerti günstiger erhalten, als wenn er sie damals gleich statt dem Discountzerti gekauft hätte.

Geht ein Bonuszerti nicht auf, weil die untere Schwelle verletzt wird, dann gibt es auch keine Seitwärtsrendite. Zudem trägt man den Kursabschwung voll mit u. hat dabei noch auf die Dividende verzichten müssen.

mfg
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Beitragvon Malefiz » 22.12.2006 20:00

Die Performance des Albrech&Cie. Optiselect Fonds ist ja lausig:


Albrech&Cie. Optiselect Fonds (t)

(%) 1J 8,6
(%) 3J 53,2
(%) 5J 62,5
(%) lfd 7.3

Ich überlege meine Bestände zu tauschen.
Welche Alternativen seht ihr im Bereich " Aktien weltweit Nebenwerte"?

Schöne Feiertage,

Malefiz
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Beitragvon schneller euro » 23.12.2006 10:20

Malefiz hat geschrieben:Welche Alternativen seht ihr im Bereich " Aktien weltweit Nebenwerte"?


ganz spontan:
- Tweedy Browne Int. Value(987163, in CHF notiert, Nebenwerte global ohne USA, supersolider Value-Fonds, bin mir aber nicht sicher ob dieser Fonds z.Z. noch geschlossen oder wieder geöffnet ist)
- Multiinvest OP Spezial (Dachfonds, recht volatil, Fondsmanager arbeitet aber mit strikten Stoppkursen)
- Falkenfonds Cash+Value (nicht ganz mein Geschmack, wird aber z.B. von DFA hochgeschätzt)
- die Favoriten früherer Jahre wie der Merrill Lynch Global SC (1998-2000 DER Überflieger), AXA Rosenberg Global SC und Sauren Global SC haben in der letzten Zeit wohl doch nicht mehr überzeugen können

alle Fonds wurden hier im Forum schon besprochen, -> Suchfunktion

ebenfalls schöne feiertage. s.e.
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Beitragvon schneller euro » 01.12.2017 12:44

Aus dem Thread "Aktienfonds Global" ein Beitrag vom Jan. 2011:
Papstfan hat geschrieben:...Rheinische Vermögensverwaltung SJB FondsSkyline ... Ab dem 1. Januar 2011 übt die SJB das Beratungsmandat für den Adviser I Albrech & Cie. Optiselect Fonds aus, wie Gerd Bennewirtz, geschäftsführender Gründungsgesellschafter der SJB vermeldet. „Wir wollen aus der Substanzstrategie von Albrech & Cie. und der antizyklischen Expertise der SJB das Optimum für den Investor herausholen ..."
Quelle: fondsprofessionell
Zutreffend. Winfried Walter ist aber weiterhin Fondsmanager des Optiselect Global Equity (Wkn A0J3GE). Oest. KAG ist Gutmann. Vermutlich in D. nicht zum oeff. Vertrieb zugelassen aber ueber die AAB moeglich.


Zitat von fondsprofessionell:
"...Der Weltaktienfonds Albrech & Cie. Optiselect war in den vergangenen Jahren weder sonderlich gut noch besonders schlecht... nun mit einem Schutz gegen hohe Verluste einzelner Portfoliobestandteile versehen. Konkret handelt es sich um eine Optionsstrategie namens "Zero Cost Collar" ("kostenloser Kragen").
"Für jede einzelne Aktie im Fonds kaufen wir eine Put-Option, die uns vor Verlusten über circa fünf Prozent pro Monat schützt", ... Um diesen Schutz zu finanzieren, verkaufen wir jeweils eine Call-Option, die unseren monatlichen Gewinn für jeden einzelnen Titel bei rund fünf Prozent deckelt." Im Ergebnis kann der Fonds je Aktienposition pro Monat höchstens etwa fünf Prozent gewinnen, aber auch nur rund fünf Prozent verlieren...."Entscheidend ist, die großen, unerwarteten Verluste zu vermeiden"
"Viele Fondsmanager schrecken davor zurück, ihre Chancen auf Kursgewinne zu begrenzen. Viel entscheidender ist es jedoch, die großen, unerwarteten Verluste zu vermeiden"...Die langfristige Performance entscheide sich in Schwächephasen, nicht während eines Bullenmarktes. ... zitiert in diesem Zusammenhang ... den US-Mathematiker Benoît Mandelbrot: "Lediglich einige Tage extremer Verluste bestimmen maßgeblich die langfristige Performance von Finanzinstrumenten", sagte der prominente Wissenschaftler einst.
"Im Eigenhandel habe ich diese Strategie schon vor 25 Jahren eingesetzt" ..."

und ein modif. Chart 7 Jahre aus dem o. g. Thread
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Re: Albrech&Cie Optiselect

Beitragvon Fondsfan » 07.12.2017 10:07

Die beschriebene Strategie begrenzt Verluste, aber auch Gewinne.

Was ist der Vorteil gegenüber einem Stop Loss, der auch Verluste begrenzt, ohne
Gewinne zu begrenzen?
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