Sharpe-Ratio, Mar-Ratio, Sortino-Ratio, Fonds-Ratings

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Calmar-Ratio

Beitragvon schneller euro » 09.06.2016 15:28

Aus einem Beitrag im Thread zum Sauren Absolute Return: Insti.-Money:"...Fitch stellte bei Absolute Return Fonds einen Long-Bias in Bezug auf risikobehaftete Assets, vor allem im Hinblick auf Credit, fest. Dieser Bias hatte zu Beginn als Performancetreiber gewirkt, doch als gegen Ende des Jahres 2015 und nach dem Ultimo "risk off" wieder gefragt war, zeigten sich die Fonds anfällig für diesen Regimewechsel...Was das Drawdown-Management anbelangt, so zeigten die Mechanismen der Risikobudgetierung oft Schwierigkeiten, zu akzeptablen Kosten das Fondsportfolio vor großen Rückschlägen abzusichern. Die unterschiedlich gehandhabten Faktoren waren etwa die Kalibrierung der Stop-Loss-Marken, Kosten-Nutzen-Rechnungen und Dynamiken der gewählten Optionsstrategien sowie die Dynamik in der Risikobudgetierung, um an der Erholung der Märkte zu partizipieren. Die Calmar Ratio genannte Kennzahl, die die Überschussrendite ins Verhältnis zum Maximum Drawdown setzt, ist eine Schlüsselgröße in der Analyse der Experten von Fitch Ratings..."

Anders formuliert bei evestment.com: "...A return/risk ratio. The return (numerator) is defined as the compound annualized return over the last 3 years, and the risk (denominator) is defined as the maximum drawdown (in absolute terms) over the last 3 years. (If there is not 3 years of data, the available data is used.)..."
-> diese Kennzahl nutze ich schon seit Jahren (fast immer anstelle der Sharpe-Ratio), wobei ich stets den Ausdruck "MAR-Ratio" verwendet. Die Unterschiede werden erläutert bei managed-futures-blog: "...MAR and Calmar Ratios: Identical twins, with Opposite Personalities ... Some assume the MAR ratio refers to a shortening of the CALMAR name, but there is a key difference. The MAR ratio usually analyzes data from the inception of the program (although it can easily be used to analyze any period within a track record), whereas the CALMAR ratio typically analyzes a shorter time period, usually 36 months of data...."
-> Die Calmar-Ratio ist mir zu starr fixiert auf den 3-Jahres-Zeitraum. Aktuell halte ich 5 Jahre (incl. Griechenland-Crash Aug. 2011) und 9-10 jahre (incl. Finanzkrise 2008 bis März 2009) für am aussagekräftigsten.
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Calmar-Ratio

Beitragvon schneller euro » 09.06.2016 15:29

Aus einem Beitrag im Thread zum Sauren Absolute Return: Insti.-Money:"...Fitch stellte bei Absolute Return Fonds einen Long-Bias in Bezug auf risikobehaftete Assets, vor allem im Hinblick auf Credit, fest. Dieser Bias hatte zu Beginn als Performancetreiber gewirkt, doch als gegen Ende des Jahres 2015 und nach dem Ultimo "risk off" wieder gefragt war, zeigten sich die Fonds anfällig für diesen Regimewechsel...Was das Drawdown-Management anbelangt, so zeigten die Mechanismen der Risikobudgetierung oft Schwierigkeiten, zu akzeptablen Kosten das Fondsportfolio vor großen Rückschlägen abzusichern. Die unterschiedlich gehandhabten Faktoren waren etwa die Kalibrierung der Stop-Loss-Marken, Kosten-Nutzen-Rechnungen und Dynamiken der gewählten Optionsstrategien sowie die Dynamik in der Risikobudgetierung, um an der Erholung der Märkte zu partizipieren. Die Calmar Ratio genannte Kennzahl, die die Überschussrendite ins Verhältnis zum Maximum Drawdown setzt, ist eine Schlüsselgröße in der Analyse der Experten von Fitch Ratings..."

Anders formuliert bei evestment.com: "...A return/risk ratio. The return (numerator) is defined as the compound annualized return over the last 3 years, and the risk (denominator) is defined as the maximum drawdown (in absolute terms) over the last 3 years. (If there is not 3 years of data, the available data is used.)..."
-> diese Kennzahl nutze ich schon seit Jahren (erscheint mir aussagekräftiger als die Sharpe-Ratio), wobei ich (auch hier im Board) stets den Ausdruck "MAR-Ratio" verwendet habe. Die Unterschiede werden erläutert bei managed-futures-blog: "...MAR and Calmar Ratios: Identical twins, with Opposite Personalities ... Some assume the MAR ratio refers to a shortening of the CALMAR name, but there is a key difference. The MAR ratio usually analyzes data from the inception of the program (although it can easily be used to analyze any period within a track record), whereas the CALMAR ratio typically analyzes a shorter time period, usually 36 months of data...."
-> Die Calmar-Ratio ist mir zu starr fixiert auf den 3-Jahres-Zeitraum. Aktuell halte ich 5 Jahre (incl. Griechenland-Crash Aug. 2011) und 9-10 jahre (incl. Finanzkrise 2008 bis März 2009) für aussagekräftiger beim Vergleich von Aktien-/Misch-/Dachfonds.
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Re: Sharpe-Ratio, Mar-Ratio, Sortino-Ratio, Fonds-Ratings

Beitragvon Fondsfan » 10.06.2016 07:57

@ schneller euro

Danke für die Zusammenstellung dieser Informationen.

Gibt es im Internet eine Publikation, bei der man die Calmar
und/oder Mar Ratios direkt nachlesen kann oder muss man
sich die jeweils selber ermitteln?
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Re: Sharpe-Ratio, Mar-Ratio, Sortino-Ratio, Fonds-Ratings

Beitragvon schneller euro » 13.06.2016 11:31

Fondsfan hat geschrieben:...Gibt es im Internet eine Publikation, bei der man die Calmar und/oder Mar Ratios direkt nachlesen kann oder muss man sich die jeweils selber ermitteln?


Eine solche Quelle suche ich auch schon seit Jahren. Manche "Fachzeitschriften" sind ja noch nicht mal bei der Sharpe-Ratio angelangt, sondern publizieren immer noch kurzfristige Performance-Rennlisten. Die S.-R. findet man u. a. bei AAlto und Onvista, die MAR-Ratio lasse ich alle 1-2 Jahre mal in Excel-Tabellen ermitteln.
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Beitragvon schneller euro » 25.11.2016 15:17

Ein Artikel bei fondsprofessionell
Zitat: "...Fondsresearch ... Banken vertreiben auch Fonds externer Anbieter – nach strenger Prüfung. Von den Einschätzungen erfahren oft nur die eigenen Kunden. Ein Haus aber legt die Noten offen. Größen wie Edouard Carmignac oder Mark Mobius kommen dabei nicht gut weg...
Eine Ausnahme ist die Commerzbank: Die Frankfurter veröffentlichen die gesamten Urteile ihrer Fondsanalysten auf ihrer Internetseite – auch die mit negativer Bewertung.
Die Experten klopfen die Manager nach quantitativen Kriterien wie vergangener Rendite oder Risikokennziffern ab und treffen daraus eine Vorauswahl. Dann nehmen sie in einer qualitativen Prüfung die Herangehensweise und den gesamten Investmentprozess der Manager unter die Lupe. ... auch einige einzelne aktive Manager fingen sich aufgrund schwacher Leistungen Negativ-Urteile ein – darunter bekannte Branchen-Größen..."

Besagte Bewertungen findet man dann tatsächlich auf der Website der Commerzbank. Z. B. für den Carmignac Patrimoine, welcher ebenso wie der Bantleon Opp. L, der Bantl. Opp S, der Templeton Asian Growth als Verkauf eingestuft wird.
Wenn man in der Adressezeile des Browsers (vor .html) die WKN ändert, erhält man auch die Bewertungen anderer renommierter Fonds. So stuft die Cobank z.B. den FvS Multi Opp (A0M430) und den AGI Kapital Plus (847625) jeweils als "Starker Kauf" ein.
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Value at Risk (VAR)

Beitragvon drhc » 16.03.2018 13:45

ein lehrreicher Beitrag risknet
Verkürzte Zitate: "... Übersetzt man "Value at Risk" wörtlich, so erhält man den "gefährdeten Wert" oder das "Vermögen das einem Risiko ausgesetzt ist". ...
Definiert wird der Value at Risk als der absolute Wertverlust einer im Unternehmen definierten Risiko-Position, der mit einer zuvor definierten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) innerhalb eines fest bestimmten Zeitraums (Halteperiode) nicht überschritten wird [von Balduin 2003, S. 41 sowie Romeike/Hager 2009, S. 203 und Romeike/Hager 2013, S. 191]. ....
Zur Messung des Value at Risk kann man grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Ansätzen unterscheiden: Einem analytischen Ansatz und einem Simulationsansatz [vgl. Eisele/Knobloch 2000, 160f.]...
Die Historische Simulation bedient sich dabei vergangenheitsbezogener Daten. Hierbei wird unterstellt, dass alle Risikofaktoren aus der Vergangenheit auch in Zukunft den Wert der Risikoposition in gleicher Weise beeinflussen werden. Die Historische Simulation ist wegen ihres geringen mathematischen Anspruchs einfach zu implementieren. Die Anwender müssen sich nicht mit der Messung von Volatilitäten und Korrelationen auseinandersetzen. Es werden auch keine Kenntnisse von Loga¬rithmus, e-Funktion, Matrizenmultiplikation oder gar der Simulation von Zufallszahlen benötigt. Der Einfachheit des Ansatzes steht die Beschränkung auf die Vergangenheit gegenüber, was von Kritikern häufig mit dem Lenken eines Autos durch den Blick in den Rückspiegel verglichen wird. Ist der gewählte historische Zeitraum nicht repräsentativ für die Zukunft, schlägt das Modell fehl. Ebenso können keine Ereignisse simuliert werden, die zwar möglich aber noch nie beobachtet worden sind.

Die stochastische Simulation (siehe Monte-Carlo-Methode bzw. Monte-Carlo-Simulation) basiert nicht auf historischen Werten, sondern auf einer stochastischen Variation der unterschiedlichen Modellparameter. Im Rahmen dieses stochastischen Ansatzes werden neben den einzelnen Risiko-Positionen und ihren Einflussfaktoren auch die Korrelationen zu anderen Risiko-Positionen berücksichtigt.

Die stochastische Simulation gilt wegen ihrer Flexibilität gegenüber anderen Verfahren als überlegen, insbesondere bei der Risikomessung von komplexen Exposures wie sie beispielsweise aus Derivaten resultieren. Die Monte Carlo Simulation kann beliebige Verteilungen, Restlaufzeitverkürzungseffekte, Volatilitätsclustering, fat tails, nichtlineare Exposures und Extremszenarios in der Risikoberechnung berücksichtigen.
Als Nachteile sind der hohe Rechenaufwand und die Komplexität der eingesetzten statistischen Verfahren zu nennen.

Dem gegenüber hat das analytische Verfahren eine je nach Anwendungsfall ähnliche Komplexität, erzeugt jedoch deutlich weniger Rechenaufwand. Der sogenannte Varianz-Kovarianz-Ansatz weist aber den häufig kritisierten Nachteil auf, dass für alle Risikofaktoren eine Normalverteilung unterstellt wird. Für die Praxis kann das Varianz-Kovarianz-Modell als erste schnelle Lösung dienen, um beispielsweise einen groben Eindruck von den aktuell bestehenden Risiken zu erhalten. ...
Ergänzende Methoden wie die Szenarioanalyse oder die Extremwerttheorie (Extreme Value Theory) können helfen, diese Informationslücke bei der Risikoquantifizierung zu minimieren. Außerdem bietet der Werkzeugkasten des Risikomanagements alternative Risikomaße, wie beispielsweise den Expected Shortfall (ES). Der ES wird auch als "conditional value at risk" (CVaR), "average value at risk" (AVaR) oder "expected tail loss" (ETL) bezeichnet. Des ES zählt wie der VaR zu den Downside-Risikomaßen und ist definiert als der erwartete Verlust für den Fall, dass der VaR tatsächlich überschritten wird. Somit ist er der wahrscheinlichkeitsgewichtete Durchschnitt aller Verluste, die den VaR-Wert übertreffen. Es werden daher nur die Verluste betrachtet, die über den VaR hinausgehen.

Unter den Lower Partial Moments (LPM) werden Risikomaße verstanden, die sich als Downside-Risikomaß nur auf einen Teil der gesamten Wahrscheinlichkeitsdichte beziehen. Sie erfassen nur die negativen Abweichungen von einer Schranke bzw. Zielgröße, werten hier aber die gesamten Informationen der Wahrscheinlichkeitsverteilung aus (bis zum theoretisch möglichen Maximalschaden.

Das Phänomen Risiko weist zahlreiche Facetten auf, denen man nur mit einem Portfolio an Methoden zur Identifikation und Quantifizierung gerecht werden kann. Risikomanagement kann nie die Suche nach einem einzigen, "optimalen" methodischen Ansatz sein. Ein Risiko-Messsystem, dass uns "blind" gegenüber anderen, vom Modell nicht erfassten Risiken macht, suggeriert uns eine falsche Sicherheit vor und ist daher auch als Risiko-Überwachungssystem fragwürdig. ..."
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Re: Sharpe-Ratio, Mar-Ratio, Sortino-Ratio, Fonds-Ratings

Beitragvon Fondsfan » 17.03.2018 14:25

Preisfrage:
Wer kann solche Überlegungen wie und wann umsetzen?
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